20/03/2026 0 Kommentare
Maria und Joseph mit dem Christuskinde
Maria und Joseph mit dem Christuskinde
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Maria und Joseph mit dem Christuskinde
Aktualisierung zu einer ungewöhnlichen Zeichnung in der Wiepersdorfer Kirche:
Hinter einem Vorhang verborgen in jahrzehntelangem Dornröschenschlaf im Gemeinderaum zeigt eine wandfüllende Oase, mit Büschen und Palmen. Links kommt von hinter einem Baum eine Frau hervor, Maria, die ihre Arme ausstreckt - dem scheinbar wenige Monate alten Baby Jesus entgegen. Es wird von Joseph, mit breitkrempigem Sonnenhut bedeckt, auf dem Arm gehalten. Auch der kleine Jesus streckt seine Arme der Mutter entgegen. Im Vordergrund reckt ein Esel seinen Hals ebenfalls der Frau entgegen. Zwischen ihnen wächst, etwas im Hintergrund, ein Baum empor. Die Zeichnung nicht mehr gut erkennbar. Der Putz der Wand hat ein immer dunkler werdendes Braun angenommen. Kleine Putzteile sind ausgebrochen.
Was macht dieses Werk so besonders?
Zunächst die Künstler, die es ursprünglich gemeinschaftlich gezeichnet haben: der zweite Sohn von Wilhelm Grimm (einer der "Gebrüder Grimm"), Herman Friedrich (*06.01.1828, +16.06.1901, welcher sich später als Ordinarius für Kunstgeschichte und Publizist einen eigenen Namen machen wird) und Gisela von Arnim, Tochter von Bettine und Achim von Arnim, haben es gemeinsam entworfen. Herman Grimm erzählt davon in seinem Tagebuch, gemeinsam hätten sie intensive Tage mit Vorzeichnungen dafür verbracht. Es war im Spätsommer ihres 20. Lebensjahres, kurz nach Giselas 20. Geburtstag (30. August) begannen sie die Zeichnung an der Wand der damaligen Empore. Wie sehr der vier Monate jüngere Grimm dieses gemeinsame Projekt genossen hat, wie es ihn nach der Musterung in Berlin schnell wieder nach Wiepersdorf zog, um dieses Motiv gemeinsam an die Wand zu bringen und wie er dann 10 Tage keine Zeit hat, um Eintragungen zu machen, spricht in seinem Tagebuch schwarz auf weiß und zwischen den Zeilen Bände. Es dauerte noch zwölf Jahre, bis die beiden heirateten. Die beiden scheinen dieses biblische Motiv mit ihrer Lebenswelt verbunden zu haben: diese ganz alltägliche und doch romantische Szene der heiligen Familie, Maria kommt von hinter einem Busch hervor und Joseph kümmert sich währenddessen um das Kind.
Besonders ist die Wandzeichnung auch, weil es wohl Millionen Bilder von der Mutter mit dem heiligen Kind gibt, aber sehr wenige, auf denen Joseph das Kind auf dem Arm hält. Laut Hermans Bildbeschreibung versucht Maria hier einen Wasserlauf zu überqueren, ihr Fuß auf einem Stein ist noch zu erkennen, der Wasserlauf jedoch nicht mehr und auch nicht, wie Joseph ihr hilft, es zu schaffen.
Dabei ist das Bild wohl kein Meisterwerk. Während die jungen Leute recht stolz auf ihr Werk waren, war Bettina von Arnim eher sparsam mit Beifall. Nachdem Herman Grimm im Sommer 1901 verstorben war, er überlebte Gisela um 12 Jahre, wurde es von Herm. Sprenger im September restauriert. Nun, weitere 125 Jahre später wäre neue Restaurierung überfällig, damit es nicht vollständig unkenntlich wird. Leider gibt es aber auch ein Salzproblem in der Nordwand der Empore. Wir bleiben dran, ob es Möglichkeiten gibt, dieses Bild zu restaurieren, damit es erhalten bleibt.
Danke an den Journalisten Rocco Thiede, für die freundliche Genehmigung, das von ihm fotografierte Bild hier nutzen zu dürfen. Durch einen seiner Artikel wurden externe Förderer darauf aufmerksam.
Im Laufe des Jahres wird es hier mehr Hintergrundinfos geben und wie es weitergeht. Wir halten Sie auf dem Laufenden...
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